Vergabe in Mecklenburg-Vorpommern: Direktauftrag bis 100.000 Euro
Mecklenburg-Vorpommern hat den Direktauftrag 2026 von 5.000 auf 100.000 Euro angehoben. Dieser Beitrag zeigt, was die Verordnung regelt, warum schon ab 1.000 Euro eine Markterkundung nötig ist und welche Pflichten auch beim Direktauftrag gelten.

- In Mecklenburg-Vorpommern dürfen öffentliche Auftraggeber Liefer- und Dienstleistungen seit dem 2. März 2026 bis 100.000 Euro netto direkt beauftragen, vorher waren es 5.000 Euro.
- Schon ab 1.000 Euro ist vor dem Direktauftrag eine Markterkundung durchzuführen und zu dokumentieren.
- Ab 10.000 Euro gelten auch beim Direktauftrag die Tariftreue- und Mindestlohnregeln des Landesvergabegesetzes.
- Verhandlungsvergabe und Beschränkte Ausschreibung sind unterhalb des EU-Schwellenwerts ohne besonderen Ausnahmegrund zulässig.
Höhere Grenze, klare Pflichten
Mit der ersten Verordnung zur Änderung der Vergabe- und Mindestarbeitsbedingungen-Verfahrensverordnung vom 24. Februar 2026 hat Mecklenburg-Vorpommern die Grenze für den Direktauftrag bei Liefer- und Dienstleistungen von 5.000 auf 100.000 Euro angehoben. Die Verordnung wurde im Gesetz- und Verordnungsblatt Nummer 6 vom 2. März 2026 verkündet und trat am selben Tag in Kraft, wie der Überblick von cosinex zusammenfasst.
Für ein Ministerium in Schwerin, ein Landesamt oder einen Landkreis heißt das: Eine Plattform für Fachtage, Bürgerversammlungen oder Ausbildungsmessen liegt in aller Regel im Bereich des Direktauftrags. Das Land knüpft daran aber Pflichten, die schon bei kleinen Beträgen greifen.
Was die Verordnung regelt
Den Wortlaut der geänderten Vorschriften gibt die EFRE-Fondsverwaltung des Landes in ihren Hinweisen vom März 2026 wieder.
| Regelung | Inhalt | Fundstelle |
|---|---|---|
| Direktauftrag | Liefer- und Dienstleistungen bis 100.000 € ohne Umsatzsteuer, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, Wechsel zwischen Unternehmen soll erfolgen | § 6 Abs. 2 VgMinArbV M-V |
| Markterkundung | vor jedem Direktauftrag über 1.000 €, zu dokumentieren | § 6 Abs. 4 |
| Vereinfachte Verfahren | Beschränkte Ausschreibung und Verhandlungsvergabe unterhalb des EU-Schwellenwerts ohne Ausnahmetatbestand der UVgO | § 5 |
| Binnenmarktrelevanz | auch bei Direktvergaben zu berücksichtigen, Entscheidung dokumentieren | § 8 |
| Tariftreue und Mindestlohn | Abschnitte 3 bis 5 TVgG M-V ab 10.000 € auch bei Direktaufträgen | TVgG M-V |
Der EU-Schwellenwert für Liefer- und Dienstleistungen liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 216.000 Euro netto. Darunter kann ein Auftraggeber in Mecklenburg-Vorpommern also ohne weitere Begründung zur Verhandlungsvergabe greifen.
Markterkundung schon ab 1.000 Euro
Nach Paragraf 6 Absatz 4 ist vor der Vergabe eines Direktauftrags eine Markterkundung durchzuführen, wenn der Auftragswert ohne Umsatzsteuer bei Liefer- und Dienstleistungen 1.000 Euro übersteigt. Dafür genügen allgemein zugängliche Auskünfte wie Internetrecherchen, Kataloge, Telefonauskünfte oder formlose E-Mail-Anfragen. Die Markterkundung ist zu dokumentieren.
Die Hinweise der EFRE-Fondsverwaltung empfehlen, telefonische Auskünfte mit Datum, Gesprächspartner und Ergebnis schriftlich festzuhalten. Das ist für Vorhaben mit EU-Förderung geschrieben, ist aber auch sonst eine gute Praxis, weil eine spätere Prüfung genau danach fragt.
Tariftreue auch beim Direktauftrag
Eine Besonderheit, die oft übersehen wird: Die Abschnitte 3 bis 5 des Tariftreue- und Vergabegesetzes gelten auch bei Direktaufträgen, bei Liefer- und Dienstleistungen ab 10.000 Euro netto. Dann ist vom Anbieter insbesondere eine Erklärung zur Einhaltung der Tarifbestimmungen und des vergaberechtlichen Mindestlohns einzuholen. Der Vergabemindestlohn liegt nach dem Überblick von cosinex seit dem 1. Oktober 2026 bei 15,27 Euro je Stunde.
Ab 30.000 Euro ist außerdem vor der Erteilung des Auftrags das Wettbewerbsregister abzufragen. Die EFRE-Hinweise weisen ausdrücklich darauf hin, dass das auch für Direktaufträge gilt.
Eventsoftware in Mecklenburg-Vorpommern eingeordnet
Maßgeblich ist der geschätzte Wert über die gesamte Laufzeit ohne Umsatzsteuer, bei unbefristeten Verträgen der 48-fache Monatswert nach Paragraf 3 VgV. Mit den öffentlichen Preisen von FairUp ergibt sich folgende Einordnung.
| Paket | Wert über 24 Monate | Wert über 48 Monate | Einordnung in Mecklenburg-Vorpommern (48 Monate, Landesbehörde) |
|---|---|---|---|
| Starter | 2.136 € | 4.272 € | Direktauftrag möglich |
| Pro | 5.976 € | 11.952 € | Direktauftrag möglich |
| Expo | ab 9.800 € | ab 19.600 € | Direktauftrag möglich |
| Career | ab 15.800 € | ab 31.600 € | Direktauftrag möglich |
| Enterprise | ab 60.000 € | ab 120.000 € | Verhandlungsvergabe oder Beschränkte Ausschreibung |
Die Preise stehen auf fairup.events/preise und verstehen sich netto. Bei fast allen Paketen ist die Markterkundung Pflicht, ab 10.000 Euro kommt die Tariftreueerklärung hinzu, ab 30.000 Euro die Abfrage im Wettbewerbsregister.
Binnenmarktrelevanz und Vorabbekanntmachung
Bei der Wahl der Verfahrensart und bei Direktvergaben ist nach Paragraf 8 eine mögliche Binnenmarktrelevanz zu berücksichtigen. Die EFRE-Hinweise nennen als Faustregel, dass unterhalb von 10 Prozent des EU-Schwellenwerts davon ausgegangen werden kann, dass keine vorliegt. Liegt sie vor, wird empfohlen, mindestens zehn Tage vor der Entscheidung eine Vorabbekanntmachung über die Möglichkeit einer Interessenbekundung zu veröffentlichen, etwa auf der eigenen Website oder dem Vergabemarktplatz des Landes.
Inhaltlich gelten die Pflichten wie überall. Für Anmeldedaten braucht es einen Auftragsverarbeitungsvertrag, und Serverstandort, Löschfristen und Datenrückgabe gehören in den Vertrag.
Rechner: Ihr Fall im Vergleich der Länder
Der Rechner enthält die Regeln aller 16 Länder. So sehen Sie auch, wie Ihr Vorhaben in einem anderen Bundesland eingeordnet würde, etwa bei einer Kooperation über Landesgrenzen.
Ein Muster für den Vermerk
Der Vermerk ist das Dokument, das bei einer späteren Prüfung zählt. Er muss nicht lang sein, aber er sollte die folgenden Angaben enthalten. Die rechte Spalte nennt die Fundstelle, auf die Sie sich stützen können.
| Angabe | Inhalt | Fundstelle |
|---|---|---|
| Gegenstand und Bedarf | Was beschafft wird und wofür, zum Beispiel Anmeldung und Check-in für die Karrieremesse | Haushaltsgrundsätze |
| Geschätzter Wert | Nettowert über die geplante Laufzeit mit Optionen, bei unbefristeten Verträgen 48 Monate | § 3 VgV entsprechend |
| Verfahrensart | Direktauftrag, weil der Wert höchstens 100.000 Euro beträgt | § 6 Abs. 2 VgMinArbV M-V |
| Markterkundung | Quellen, Datum, Ergebnis, bei Telefonaten auch Gesprächspartner | § 6 Abs. 4 |
| Tariftreue | Ab 10.000 Euro Erklärung des Anbieters zu Tarifbestimmungen und Vergabemindestlohn | TVgG M-V Abschnitte 3 bis 5 |
| Binnenmarktrelevanz | Kurze Prüfung und Ergebnis, bei Relevanz Vorabbekanntmachung | § 8 VgMinArbV M-V |
Was Sie den Anbieter vorab fragen sollten
Der Vergleich wird belastbar, wenn alle Anbieter dieselben Fragen beantworten. Fünf Punkte entscheiden bei Eventsoftware für öffentliche Stellen fast immer mit. Erstens der Preis über die geplante Laufzeit als Festpreis, nicht als Ab-Preis, damit Ihre Schätzung stimmt. Zweitens der Auftragsverarbeitungsvertrag mit den technischen und organisatorischen Maßnahmen und der Liste der Unterauftragsverarbeiter. Drittens der Serverstandort und die Frage, ob Daten in Drittländer übermittelt werden.
Viertens die Barrierefreiheit der Anmeldestrecke, weil öffentliche Stellen ihre Websites und Anwendungen barrierefrei gestalten müssen. Und fünftens der Ausstieg: in welchem Format und in welcher Frist Sie Ihre Daten am Vertragsende zurückbekommen. Halten Sie die Antworten mit Datum fest, sie gehören in den Vermerk.
Häufige Fragen
Ab welchem Betrag brauche ich eine Markterkundung?
Bei Liefer- und Dienstleistungen über 1.000 Euro netto. Internetrecherche, Kataloge, Telefonate oder formlose E-Mail-Anfragen genügen, das Ergebnis ist zu dokumentieren.
Gilt die Grenze von 100.000 Euro auch für Kommunen?
Nach dem Überblick von cosinex gilt die Verordnung für das Land und die Kommunen gleichermaßen. Eigene Dienstanweisungen können strenger sein.
Muss der Anbieter beim Direktauftrag eine Tariftreueerklärung abgeben?
Ab 10.000 Euro netto ja. Die Abschnitte 3 bis 5 des Tariftreue- und Vergabegesetzes gelten dann auch für Direktaufträge.
Welche Verfahren gibt es über 100.000 Euro?
Beschränkte Ausschreibung und Verhandlungsvergabe sind bis zum EU-Schwellenwert ohne besonderen Ausnahmegrund zulässig.
Wie sieht es in anderen Ländern aus?
Das zeigt unser Überblick zu Direktauftrag und Wertgrenzen nach Bundesland.
Dieser Beitrag erklärt den Rahmen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand der Rechtsgrundlagen: 12. Oktober 2026.