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Nachhaltige Veranstaltung

Nachhaltige Veranstaltung

Jan-Philipp Koch
·
October 2, 2026
October 2, 2026

Eine nachhaltige Veranstaltung richtet Planung, Durchführung und Nachbereitung an ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen aus. Praktisch geht es um Anreise, Energie, Verpflegung, Material und Abfall, und darum, die Wirkung zu messen statt sie zu behaupten.

Faltbarer Mehrwegbecher neben durchsichtigen Einwegbechern auf hellblauem Grund

Was der Begriff meint

Der Messeverband AUMA beschreibt Nachhaltigkeit in seinem Messelexikon als die konsequente Ausrichtung von Messen an ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen in allen Phasen, von der Planung über Aufbau, Durchführung und Abbau bis zur Nachbereitung. Dazu zählen der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, die Vermeidung von Abfällen, Energieeffizienz, Klimaschutz und soziale Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette. Betroffen sind Veranstalter, Aussteller, Besucher und Dienstleister gleichermaßen.

Die Definition ist breit, und das ist ihr Problem. Fast jede Maßnahme lässt sich darunter fassen. Brauchbar wird der Begriff erst, wenn klar ist, wo die Wirkung entsteht.

Wo die Emissionen entstehen

Eine Ökobilanz von Yanqiu Tao und Kollegen, 2021 in Nature Communications erschienen, hat Präsenz-, Online- und hybride Konferenzen verglichen und dabei Verpflegung, Unterkunft, Vorbereitung, Durchführung, Technik und Transport berücksichtigt. Der Wechsel von Präsenz zu online senkt danach den CO2-Fußabdruck um 94 Prozent. Hybride Konferenzen mit gut gewählten regionalen Standorten können ihn um rund zwei Drittel senken und dabei mehr als die Hälfte der Teilnahme in Präsenz erhalten. Als weiteren Hebel nennt die Studie pflanzliche Verpflegung.

Untersucht wurden wissenschaftliche Konferenzen mit oft weiter Anreise. Als eigene Einordnung folgt daraus: Wo Gäste weit reisen, entscheidet vor allem die Anreise über die Bilanz, und kein Mehrwegbecher gleicht einen schlecht erreichbaren Ort aus. Bei einer regionalen Veranstaltung verschieben sich die Gewichte zu Energie, Verpflegung und Material. Was eine teilweise Online-Teilnahme bedeutet, steht unter hybrides Event.

Wie weit die Branche ist

Das Meeting- und EventBarometer 2025/2026 fragt Veranstaltungsstätten und Veranstalter jährlich danach. 60 Prozent der befragten Veranstaltungsstätten hatten 2025 einen Nachhaltigkeitsstandard eingeführt, 2011 waren es 27 Prozent. Mehr als drei Viertel der Veranstalter, 76 Prozent, bevorzugen Anbieter mit einem solchen Standard. Ihre CO2-Emissionen erhoben 2025 aber nur 41 Prozent der Veranstaltungsstätten und 52 Prozent der Veranstalter.

Einen einheitlichen Standard gibt es nicht. Die Befragten nannten unter anderem fairpflichtet, Green Key, EMAS und ISO 14001, und der hohe Anteil sonstiger Nennungen zeigt nach Angabe der Studie, wie viele verschiedene Systeme nebeneinander bestehen. Für Veranstalter heißt das: nicht nach dem Siegel fragen, sondern danach, was es abdeckt.

Die vier Felder in der Praxis

Anreise und Ort. Ein Ort, der mit der Bahn erreichbar ist, und Zeiten, die zum Fahrplan passen. Das ist eine Entscheidung der ersten Planungswoche und lässt sich später nicht nachholen.

Energie und Haus. Die Wahl der Veranstaltungsstätte bestimmt den größten Teil dessen, was vor Ort verbraucht wird. Hier hilft die Frage nach dem Standard des Hauses.

Verpflegung. Menge und Art. Wer nach angemeldeten statt nach erwarteten Gästen bestellt, wirft Essen weg, siehe No-Show-Rate und Catering-Planung.

Material und Abfall. Gedruckte Programme, vorab produzierte Namensschilder für Gäste, die nicht kommen, Teppich für drei Tage. Vieles davon entsteht, weil die Zahl der Anwesenden vorher nicht bekannt ist, siehe Badgedruck.

Messen statt behaupten

Die Zahlen des Barometers zeigen die Lücke: Deutlich mehr Häuser haben einen Standard, als ihre Emissionen erheben. Wer von einer nachhaltigen Veranstaltung spricht, sollte wenigstens drei Dinge beziffern können: wie die Gäste angereist sind, wie viel Verpflegung übrig blieb und wie viel Material gedruckt und nicht gebraucht wurde. Die Anreise lässt sich bei der Anmeldung mit einer einzigen Frage erheben, siehe Anmeldeformular.

Bei öffentlichen Auftraggebern und in Förderanträgen wird nach solchen Angaben zunehmend gefragt. Welche Nachweise im Einzelfall verlangt werden, steht in den jeweiligen Vergabe- oder Förderunterlagen.

Häufige Fehler

Sichtbare Kleinigkeiten statt der großen Posten. Ein Siegel als Ersatz für eigene Zahlen. Verpflegung nach der Zahl der Anmeldungen. Ein Ort ohne Bahnanschluss, dessen Bilanz mit Kompensation geschönt wird. Und Aussagen in der Werbung, die sich nicht belegen lassen.

In der Praxis mit FairUp
FairUp ersetzt gedruckte Tickets durch QR-Codes und druckt Namensschilder erst beim Check-in, sodass für nicht erschienene Gäste kein Material entsteht. Anmeldungen und Check-ins liefern die Zahlen für eine realistische Bestellmenge.

Häufige Fragen

Was ist eine nachhaltige Veranstaltung?

Eine Veranstaltung, die in Planung, Durchführung und Nachbereitung ökologische, ökonomische und soziale Ziele verfolgt und ihre Wirkung misst.

Wo entsteht der größte Teil der Emissionen?

Bei Veranstaltungen mit weiter Anreise vor allem dort. Eine Ökobilanz von 2021 beziffert die Einsparung beim Wechsel von Präsenz zu online auf 94 Prozent.

Gibt es einen einheitlichen Standard?

Nein. In der Branche bestehen viele Systeme nebeneinander, darunter fairpflichtet, Green Key, EMAS und ISO 14001.

Wie lässt sich Nachhaltigkeit belegen?

Mit eigenen Zahlen, etwa zur Anreise der Gäste, zu übrig gebliebener Verpflegung und zu ungenutztem Material.

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