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Umwegrentabilität

Umwegrentabilität

Jan-Philipp Koch
·
October 2, 2026
October 2, 2026

Umwegrentabilität bezeichnet den wirtschaftlichen Nutzen, den eine Veranstaltung außerhalb des Veranstalters auslöst: Ausgaben von Ausstellern und Besuchern für Übernachtung, Gastronomie, Anreise und Dienstleistungen. Mit ihr begründen öffentliche Träger, warum sie Messen und Hallen fördern.

Luftaufnahme einer Stadtstraße mit Bussen und Wohnhäusern

Der Nutzen, der woanders anfällt

Eine Messe oder ein Kongress kann für den Veranstalter knapp kalkuliert sein und der Stadt trotzdem viel einbringen. Der Messeverband AUMA beschreibt den Mechanismus in seinem Messelexikon: Aussteller, Besucher und Messegesellschaften treten als Nachfrager von Leistungen auf, die in sehr unterschiedlichen Wirtschaftszweigen Produktion und Beschäftigung auslösen. Bei Ausstellern fallen vor allem Übernachtung, Gastronomie, Standfläche und Standbau ins Gewicht, bei Besuchern Übernachtung, Gastronomie, Reisekosten, private Einkäufe, Freizeit und der Eintritt.

Die unmittelbaren Ausgaben in der Region sind nach derselben Quelle nur ein Teil. Hinzu kommen Leistungen im Vorfeld der Messe, die nicht an den Veranstaltungsort gebunden sein müssen, Einkommenseffekte bei den Beschäftigten und Steuereinnahmen bei verschiedenen Gebietskörperschaften. Der Umweg im Namen meint genau das: Das Geld fließt nicht über die Kasse des Veranstalters zurück, sondern über Hotels, Restaurants, Handwerk und Steuern.

Die Größenordnung für Deutschland

Für die Messewirtschaft insgesamt nennt der AUMA in seinem Aussteller-Ausblick 2026/2027 gut 30 Milliarden Euro an wirtschaftlichen Effekten im Jahr, wenigstens 280.000 gesicherte Arbeitsplätze und 5,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen für Bund, Länder und Gemeinden. Als Grundlage für solche Berechnungen verweist das Messelexikon auf eine Untersuchung zur gesamtwirtschaftlichen Bedeutung von Messen aus dem Jahr 2018, die AUMA-Edition 49.

Die Zahlen stammen vom Verband der Branche und gelten für alle Messen zusammen. Über eine einzelne Veranstaltung sagen sie nichts. Sie zeigen aber, warum Städte und Länder Messegesellschaften und Hallen tragen, die sich aus der Miete allein nicht finanzieren.

Wie für eine einzelne Veranstaltung gerechnet wird

Das Folgende ist eine vereinfachte Darstellung des Prinzips und keine Methode aus einer bestimmten Studie. Gerechnet wird in drei Schritten. Zuerst die Zahl der auswärtigen Gäste, getrennt nach Tagesgästen und Übernachtungsgästen, denn wer ohnehin am Ort wohnt, bringt kein zusätzliches Geld in die Region. Dann die durchschnittlichen Ausgaben je Gast und Tag. Schließlich die Aufenthaltsdauer. Das Produkt ist der direkte Effekt; alles Weitere sind Hochrechnungen mit Annahmen.

Daraus ergibt sich, was ein Veranstalter erheben muss, wenn er das Argument führen will: woher die Gäste und Aussteller kommen, ob sie übernachten und wie lange sie bleiben. Die Herkunft lässt sich mit der Postleitzahl bei der Anmeldung erfassen, siehe Anmeldeformular. Ohne diese Angaben bleibt die Umwegrentabilität eine Behauptung.

Für wen das Argument zählt

Für kommunale Hallenbetreiber, Wirtschaftsförderungen und Hochschulen ist die Umwegrentabilität oft der eigentliche Grund, eine Veranstaltung zu tragen. Eine Regionalmesse, die ihre Kosten gerade deckt, kann sich für die Stadt lohnen, wenn sie Aussteller und Besucher von außen bringt. In Anträgen auf Zuschüsse und in Berichten an Gremien gehört deshalb neben die eigene Rechnung eine Aussage über die Wirkung am Ort, siehe Eventbudget.

Grenzen des Arguments

Drei Einwände sollte kennen, wer mit der Umwegrentabilität argumentiert. Ausgaben von Einheimischen sind kein Zugewinn, sie wären sonst anderswo am Ort angefallen. Hochrechnungen über den direkten Effekt hinaus hängen stark von den Annahmen ab. Und ein großer Effekt für die Region ersetzt nicht die Frage, ob die Veranstaltung selbst gut ist: Aussteller buchen wegen ihrer eigenen Rechnung wieder, nicht wegen der Hotelauslastung, siehe Wiederbuchung.

Häufige Fehler

Alle Besucher mitzuzählen statt nur die auswärtigen. Durchschnittswerte großer Leitmessen auf eine regionale Veranstaltung zu übertragen. Die Herkunft der Gäste nie erhoben zu haben. Und die Zahl einmal zu berechnen und nie wieder zu prüfen.

In der Praxis mit FairUp
Die Grundlage für eine solche Rechnung sind Zahlen, die in FairUp ohnehin entstehen: Anmeldungen mit den Angaben, die Sie abfragen, Check-ins und bei Messen die Aussteller. Alles lässt sich als Excel, CSV oder PDF exportieren.

Häufige Fragen

Was bedeutet Umwegrentabilität?

Den wirtschaftlichen Nutzen einer Veranstaltung, der nicht beim Veranstalter, sondern bei Hotels, Gastronomie, Dienstleistern und der öffentlichen Hand anfällt.

Wie groß ist der Effekt von Messen in Deutschland?

Der Messeverband AUMA nennt gut 30 Milliarden Euro wirtschaftliche Effekte im Jahr, wenigstens 280.000 gesicherte Arbeitsplätze und 5,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen.

Welche Daten braucht man für die Berechnung?

Die Zahl der auswärtigen Gäste und Aussteller, ob sie übernachten, wie lange sie bleiben und was sie im Schnitt ausgeben.

Zählen einheimische Besucher mit?

Für den zusätzlichen Effekt in der Region nicht. Ihre Ausgaben wären sonst anderswo am Ort angefallen.

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