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Crowd Management ist die vorausschauende Planung und Lenkung von Menschenmengen bei Veranstaltungen: Wege, Einlass, Kapazitäten, Information und Personal. Ziel ist, dass ein Gedränge gar nicht erst entsteht, statt es im Ernstfall auflösen zu müssen.

Im Sprachgebrauch der Branche wird Crowd Management von Crowd Control unterschieden. Das erste ist die Planung vorher: Wie viele Menschen kommen, auf welchen Wegen, durch welche Eingänge, mit welchen Informationen. Das zweite ist das Eingreifen, wenn eine Menge bereits außer Kontrolle zu geraten droht. Gutes Crowd Management soll das zweite überflüssig machen.
Das Thema betrifft nicht nur Stadien und Festivals. Auch bei einer Messe, einem Stadtfest oder einer großen Tagung gibt es Stellen, an denen sich Menschen stauen: der Einlass kurz vor Beginn, der Wechsel zwischen zwei Sälen, der Ausgang am Ende.
In Deutschland wird das Verhalten von Menschenmengen vor allem am Forschungszentrum Jülich und an der Universität Wuppertal untersucht. Für das vom Bund geförderte Projekt BaSiGo zeichneten die Jülicher Forscher 2013 in der Messe Düsseldorf die Laufwege von bis zu 1.000 Fußgängern auf. Nach der Mitteilung des Forschungszentrums wollten sie herausfinden, wie ein Fußgängerstau entsteht, wann er in ein Gedränge umschlägt und wie sich Ströme sicherer lenken lassen, etwa durch Anweisungen, Geländer oder Absperrungen. Die Mitteilung nennt auch den Grund: Eine der größten Gefahren für Besucher großer Veranstaltungen gehe nicht von einem Feuer aus, sondern vom Gedränge.
Ein Ergebnis aus dieser Forschungslinie betrifft den Einlass. Juliane Adrian, Armin Seyfried und Anna Sieben stellten in Versuchen den Einlass zu einem Konzert nach und veränderten die Breite des Korridors aus Absperrgittern vor dem Tor. Die Studie erschien 2020 im Journal of the Royal Society Interface. Die Dichte der Wartenden stieg mit der Breite des Korridors, und sie stieg mit dem Drang hineinzukommen. Den schmalsten Korridor bewerteten die Teilnehmenden als gerechter und angenehmer. Drängeln galt ihnen zugleich als unfair und als Mittel, schneller hineinzukommen.
Als eigene Einordnung lässt sich daraus mitnehmen: Mehr Platz vor dem Eingang ist nicht automatisch sicherer. Eine geführte Schlange ordnet besser als eine offene Fläche, und das Verhalten hängt auch davon ab, ob die Wartenden den Ablauf als gerecht erleben. Mehr zum Einlass steht unter Einlasskontrolle.
Die Versammlungsstättenverordnungen der Länder regeln den Rahmen. Nach der bayerischen Fassung, Paragraf 43, hat der Betreiber ein Sicherheitskonzept aufzustellen und einen Ordnungsdienst einzurichten, wenn es die Art der Veranstaltung erfordert. Bei Versammlungsstätten mit mehr als 5.000 Besucherplätzen ist das Konzept im Einvernehmen mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten aufzustellen. Darin wird die Mindestzahl der Ordnungskräfte festgelegt, gestaffelt nach Besucherzahlen und Gefährdungsgraden.
Die Vorschrift beschreibt auch, wofür der Ordnungsdienst verantwortlich ist: die Kontrolle an Ein- und Ausgängen, die Beachtung der höchstzulässigen Besucherzahl, die Sicherheitsdurchsagen und die geordnete Räumung im Gefahrenfall. Andere Länder haben eigene Fassungen. Mehr dazu unter Sicherheitskonzept und maximale Personenzahl.
Die folgenden Punkte sind eine Zusammenstellung aus der Praxis und keine Vorgabe einer einzelnen Quelle. Kapazität: wissen, wie viele Menschen ein Raum oder Gelände aufnehmen darf, und während der Veranstaltung zählen, wie viele da sind. Ankunft: die Spitze kennen, nicht den Durchschnitt, und die Zahl der Einlassstellen danach bemessen. Wege: Engstellen suchen, an denen sich Ströme kreuzen, und Gegenverkehr vermeiden. Information: den Wartenden sagen, wie lange es dauert und wo es weitergeht. Personal: Menschen an den Engstellen, die eingreifen dürfen, mit einer Person, die entscheidet, siehe Veranstaltungsleiter.
Bei großen Veranstaltungen gehört die Planung in die Hände von Fachleuten und Behörden. Bei kleineren reicht oft schon, die drei Stellen zu benennen, an denen es eng wird, und für jede zu klären, wer dort steht.
Die Zahl der Einlassstellen aus der Gesamtbesucherzahl ableiten statt aus der Ankunftsspitze. Eine breite, ungeführte Fläche vor dem Eingang. Keine Zählung der Anwesenden während der Veranstaltung. Wartende ohne Information. Und Zuständigkeiten, die erst geklärt werden, wenn es eng wird. Dieser Eintrag ordnet ein und ersetzt weder ein Sicherheitskonzept noch die Abstimmung mit den Behörden.
Was ist Crowd Management?
Die vorausschauende Planung und Lenkung von Menschenmengen bei Veranstaltungen, damit ein Gedränge gar nicht erst entsteht.
Worin liegt der Unterschied zu Crowd Control?
Crowd Management ist die Planung vorher. Crowd Control meint das Eingreifen, wenn eine Menge bereits außer Kontrolle zu geraten droht.
Ist mehr Platz vor dem Eingang sicherer?
Nicht unbedingt. In Versuchen des Forschungszentrums Jülich stieg die Dichte der Wartenden mit der Breite des Korridors vor dem Einlass.
Wann ist ein Ordnungsdienst vorgeschrieben?
Nach der bayerischen Versammlungsstättenverordnung, wenn es die Art der Veranstaltung erfordert. Bei mehr als 5.000 Besucherplätzen ist das Sicherheitskonzept mit den Behörden abzustimmen.