Campus Recruiting
Campus Recruiting bezeichnet alle Maßnahmen, mit denen Unternehmen Studierende und Absolventen direkt an Hochschulen ansprechen und gewinnen: Karrieremessen, Firmenpräsentationen, Praktika, Abschlussarbeiten, Werkstudentenstellen und Kooperationen mit Career Services. Es verbindet Personalgewinnung mit Arbeitgebermarke.

Was zum Campus Recruiting gehört
Unter Campus Recruiting fassen Unternehmen alles zusammen, was sie an Hochschulen tun, um Nachwuchs zu gewinnen. Dazu gehören die Karrieremesse und die Firmenkontaktmesse, Unternehmensvorträge in Lehrveranstaltungen, Exkursionen, Praktika, betreute Abschlussarbeiten, Werkstudentenstellen und Stipendien. Auf Hochschulseite ist meist der Career Service der Ansprechpartner, bei dualen Modellen auch die Studiengangsleitung.
Unsere Einordnung: Der Begriff wird oft mit Hochschulmarketing gleichgesetzt. Hochschulmarketing betont die Bekanntheit als Arbeitgeber, Campus Recruiting die konkrete Besetzung von Stellen. In der Praxis greifen beide ineinander.
Was die Forschung zur Wirkung sagt
Zwei deutsche Untersuchungen helfen, die Erwartungen richtig zu setzen. Das Hochschul-Informations-System, heute DZHW, fragte den Prüfungsjahrgang 2005, wie die erste Stelle gefunden wurde. Im Bericht von Kolja Briedis heißt es, Absolventenmessen seien nur in geringem Umfang bei der Stellensuche hilfreich gewesen. Häufiger führten bestehende Verbindungen zur Stelle, etwa ein Praktikum oder eine Abschlussarbeit im Betrieb bei 25 Prozent der Fachhochschulabsolventen und 15 Prozent der Universitätsabsolventen.
Matthias Baum und Rüdiger Kabst untersuchten 2011 in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft, was die Teilnahme an einer hochschulinternen Karrieremesse mittelständischen Arbeitgebern bringt. Nach ihrer Zusammenfassung stärkt sie die Arbeitgebermarke und darüber die Absicht, sich zu bewerben, ihre volle Wirkung entfaltete sie aber erst zusammen mit weiteren Maßnahmen wie einer Firmenpräsentation in der Vorlesung.
Aus den USA kommt eine Zahl aus Plattformdaten: Laut Handshake braucht es dort im Schnitt acht Kontaktpunkte mit einer studierenden Person, bis sie handelt oder sich bewirbt. Die Daten stammen aus dem eigenen Netzwerk des Anbieters und sind nicht auf Deutschland übertragbar, die Richtung deckt sich aber mit den deutschen Befunden.
Was daraus folgt
Unsere Einordnung: Campus Recruiting wirkt als Abfolge, nicht als Einzelereignis. Die Messe macht ein Unternehmen bekannt, der Vortrag in der Vorlesung vertieft den Eindruck, das Praktikum oder die Abschlussarbeit führt zur Einstellung. Unternehmen, die nur einmal im Jahr einen Stand buchen, erreichen deshalb weniger als solche, die über das Semester mehrfach auftauchen. Für Hochschulen heißt das umgekehrt: Wer Unternehmen mehrere Formate im selben System anbietet, etwa Messe, Vortrag und Mappencheck, macht ihnen genau diese Abfolge leicht. Ein Talentpool hält den Kontakt über die Messe hinaus.
Unsere Einordnung zum Datenschutz: Studierendendaten sind sensibel, weil ein Abhängigkeitsverhältnis zur Hochschule besteht. Wer Kontaktdaten an Unternehmen weitergibt, braucht eine klare Grundlage, meist eine freiwillige Einwilligung. Eine Messe nur für eingeschriebene Studierende lässt sich über die DFN-AAI absichern.
Häufige Fehler
Den Erfolg nur an Bewerbungen kurz nach der Messe zu messen, unterschätzt die Wirkung, weil Praktika und Abschlussarbeiten Monate später folgen. Ebenso häufig fehlt die Rückmeldung an die Unternehmen, wie viele Gespräche sie geführt haben, obwohl genau diese Zahl über die Wiederbuchung entscheidet.
Häufige Fragen
Was ist Campus Recruiting?
Alle Maßnahmen, mit denen Unternehmen Studierende und Absolventen direkt an Hochschulen ansprechen: Karrieremessen, Firmenvorträge, Praktika, Abschlussarbeiten, Werkstudentenstellen und Kooperationen mit Career Services.
Wie wirksam sind Karrieremessen im Campus Recruiting?
Laut DZHW-Absolventenforschung führen sie selten direkt zur ersten Stelle, häufiger Praktika und Abschlussarbeiten. Baum und Kabst fanden 2011, dass eine Hochschulmesse die Arbeitgebermarke stärkt, vor allem zusammen mit weiteren Maßnahmen.
Was unterscheidet Campus Recruiting von Hochschulmarketing?
Hochschulmarketing zielt auf die Bekanntheit als Arbeitgeber an Hochschulen, Campus Recruiting auf die Besetzung konkreter Stellen. In der Praxis greifen beide ineinander.