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Eventdramaturgie ist die bewusste Gestaltung des Ablaufs einer Veranstaltung aus Sicht der Gäste: Einstieg, Höhepunkt, Pausen und Schluss. Sie beantwortet nicht, was stattfindet, sondern in welcher Reihenfolge und mit welchem Gewicht, damit das Erlebte in Erinnerung bleibt.

Zwei Veranstaltungen können dieselben Programmpunkte haben und völlig verschieden in Erinnerung bleiben. Die eine beginnt mit einer halben Stunde Grußworten und endet, während die Hälfte schon zum Zug eilt. Die andere beginnt mit dem stärksten Beitrag und endet mit einem gemeinsamen Schlusspunkt. Der Unterschied ist Dramaturgie.
Der Begriff kommt aus dem Theater. Für Veranstaltungen meint er die Entscheidung, wo der Höhepunkt liegt, wie die Spannung dorthin steigt, wo Pausen entlasten und wie der Tag endet.
Dass Menschen ein Erlebnis im Rückblick nicht als Summe aller Minuten bewerten, hat der Psychologe Daniel Kahneman mit Kollegen mehrfach gezeigt. In einem Versuch, 1993 in Psychological Science erschienen, hielten Versuchspersonen eine Hand einmal 60 Sekunden in schmerzhaft kaltes Wasser und einmal 90 Sekunden, wobei das Wasser in den letzten 30 Sekunden etwas wärmer wurde. Vor die Wahl gestellt, wiederholte eine deutliche Mehrheit lieber den längeren Durchgang. Die Autoren folgern, dass die Dauer im Rückblick eine kleine Rolle spielt und die Bewertung oft vom schlimmsten und vom letzten Moment bestimmt wird.
Eine zweite Studie bestätigte das an Patienten. Donald Redelmeier und Daniel Kahneman zeichneten 1996 für die Zeitschrift Pain das Empfinden von 154 Patienten bei einer Darmspiegelung und 133 bei einer Nierensteinbehandlung auf. Die Erinnerung an den Gesamtschmerz hing stark mit dem höchsten Wert und mit den letzten drei Minuten zusammen, die Dauer des Eingriffs dagegen kaum. Der Befund ist als Höhepunkt-Ende-Regel bekannt geworden.
Beide Studien betreffen unangenehme Erlebnisse, keine Veranstaltungen, und für angenehme Erlebnisse ist die Regel weniger eindeutig belegt. Die Übertragung ist deshalb unsere Einordnung, sie liegt aber nahe: Was Gäste von einem Tag behalten, sind der stärkste Moment und der Schluss, nicht der Durchschnitt.
Den Schluss gestalten. Die meisten Veranstaltungen laufen aus. Ein bewusster letzter Punkt, eine Zusammenfassung, ein Ausblick, ein gemeinsamer Moment, kostet wenig und prägt nach dem Befund oben die Erinnerung überproportional. Organisatorisches gehört davor, nicht ans Ende.
Einen Höhepunkt setzen. Ein Tag mit acht gleich gewichteten Punkten hat keinen. Der stärkste Beitrag braucht den besten Platz, und der liegt selten nach der Mittagspause.
Tiefpunkte vermeiden. Wenn der schlimmste Moment die Erinnerung mitbestimmt, zählen die Schlange am Einlass und die überfüllte Garderobe mehr, als ihre Dauer vermuten lässt, siehe Einlasskontrolle.
Länge ist zweitrangig. Ob ein Vortrag 25 oder 40 Minuten dauert, entscheidet weniger als sein Platz im Ablauf und seine Qualität. Dazu passt der Befund, dass es für eine feste Grenze der Aufmerksamkeit keine belastbaren Daten gibt, siehe Session.
Dramaturgie wird in drei Dokumenten sichtbar. In der Agenda als Reihenfolge für die Gäste. Im Ablaufplan als Übergänge, Umbauten und Stichworte für das Team. Und im Rahmenprogramm, das häufig den Schlusspunkt liefert. Ausgangspunkt ist das Veranstaltungskonzept: Erst wenn klar ist, was Gäste mitnehmen sollen, lässt sich sagen, wo der Höhepunkt liegen muss.
Zwei Fragen in der Nachbefragung genügen: Was ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben? Und was hat Sie am meisten gestört? Die Antworten zeigen Höhepunkt und Tiefpunkt aus Sicht der Gäste, und sie decken sich selten mit dem, was das Team erwartet.
Grußworte in Serie am Anfang. Der wichtigste Beitrag im Mittagstief. Ein Ende, das in Hinweisen zur Abreise versandet. Programmpunkte ohne Übergang. Und ein Ablauf, der so dicht ist, dass kein Moment herausragt.
Was ist Eventdramaturgie?
Die bewusste Gestaltung des Ablaufs einer Veranstaltung aus Sicht der Gäste, mit Einstieg, Höhepunkt, Pausen und Schluss.
Was besagt die Höhepunkt-Ende-Regel?
Dass Menschen ein Erlebnis im Rückblick vor allem nach dem intensivsten Moment und dem Ende bewerten, während die Dauer eine kleine Rolle spielt. Belegt ist das vor allem für unangenehme Erlebnisse.
Warum ist der Schluss einer Veranstaltung so wichtig?
Weil der letzte Eindruck die Erinnerung an den ganzen Tag überproportional prägt. Organisatorisches gehört deshalb vor den Schlusspunkt.
Wie lässt sich die Dramaturgie prüfen?
Mit zwei Fragen in der Nachbefragung: was am stärksten in Erinnerung blieb und was am meisten gestört hat.