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Ein Bewerbungsmappencheck ist ein kurzes Einzelgespräch, in dem eine fachkundige Person Lebenslauf und Anschreiben durchsieht und Rückmeldung gibt. Career Services und Alumnicenter bieten ihn als eigene Termine an, vor Ort oder per Video, oft im Rahmen einer Karrierewoche oder Karrieremesse.

Studierende und Absolventen bringen ihre fertigen Unterlagen mit oder schicken sie vorab, und eine Person mit Erfahrung in der Personalauswahl geht sie mit ihnen durch. Das Gespräch dauert meist eine Viertelstunde bis eine halbe Stunde und endet mit konkreten Hinweisen zu Aufbau, Inhalt und Form. Angeboten wird der Check vom Career Service einer Hochschule, von Alumnicentern oder von Unternehmen, die ihre Personalfachleute dafür abstellen.
Er findet auf zwei Wegen statt. Als fester Programmpunkt am Rand einer Karrieremesse, mit einem Tisch und einer Liste von Zeitfenstern. Oder als eigene Veranstaltung mit eigenen Terminen, in Präsenz oder als Videogespräch, häufig gebündelt mit Bewerbungsfotos und Workshops in einer Karrierewoche.
Die Sichtung der Unterlagen ist in fast jedem Auswahlverfahren der erste Schritt, und sie folgt anderen Regeln, als Bewerber oft annehmen. Zwei Untersuchungen zeigen das.
Uwe Peter Kanning von der Hochschule Osnabrück befragte 244 Personalverantwortliche dazu, nach welchen Kriterien sie Bewerbungsunterlagen sichten. Das Ergebnis: Formale Kriterien dominieren stark, Ergebnisse der Forschung spielen bei der Wahl der Kriterien keine Rolle, und die Aussagekraft des üblichen Vorgehens schätzt der Autor als gering ein (Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 2016).
Wie teuer ein formaler Mangel ist, hat eine Gruppe um Philippe Sterkens und Stijn Baert von der Universität Gent in einem Versuch mit 445 Personalverantwortlichen gemessen. Lebensläufe mit vielen Rechtschreibfehlern hatten eine um 18,5 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit, zu einem Gespräch eingeladen zu werden, als fehlerfreie. Schon wenige Fehler kosteten 7,3 Prozentpunkte. Etwa die Hälfte des Abschlags erklärt die Studie damit, dass den Bewerbern geringere geistige Fähigkeiten, weniger Gewissenhaftigkeit und geringere soziale Kompetenz zugeschrieben wurden (PLOS ONE, 2023).
Von beiden Studien haben wir die Zusammenfassung gelesen. Unsere Einordnung: Wenn die erste Sichtung vor allem auf Form achtet und Formfehler messbar Einladungen kosten, dann ist ein zweites Paar Augen vor dem Absenden eine der wirksamsten kleinen Hilfen, die eine Hochschule anbieten kann. Eine Studie, die die Wirkung von Mappenchecks selbst misst, haben wir nicht gefunden.
Die folgenden Punkte sind Praxis, keine Norm.
Feste Zeitfenster. Ein Check ohne Termin erzeugt eine Schlange und lässt die Beratenden abwechselnd warten und hetzen. Üblich sind Fenster von 15 bis 30 Minuten, die vorab gebucht werden, siehe Gesprächstermin.
Anmeldefrist und Unterlagen vorab. Wer die Mappe einige Tage vorher bekommt, kann sie vorbereitet besprechen. Die Viertelstunde gehört dann den Fragen und nicht dem ersten Lesen.
Begrenzte Plätze. Die Zahl der Termine ergibt sich aus der Zahl der Beratenden und der Dauer. Sind sie vergeben, hilft eine Warteliste, weil bei kostenlosen Einzelterminen erfahrungsgemäß ein Teil nicht erscheint, siehe No-Show-Rate.
Präsenz oder online. Vor Ort passt der Check an den Rand einer Messe. Als Videogespräch erreicht er auch Studierende im Praxissemester oder im Ausland und braucht keinen Raum.
Datenschutz. Bewerbungsunterlagen enthalten viele personenbezogene Daten. Wer sie vorab einsammelt, legt fest, wer sie sieht und wann sie gelöscht werden, siehe Löschfrist.
Aus den beiden Studien lässt sich eine Reihenfolge ableiten. Zuerst Fehlerfreiheit, weil sie nachweislich Einladungen kostet. Dann Aufbau und Lückenlosigkeit des Lebenslaufs, weil die erste Sichtung auf Formales achtet. Erst danach der Inhalt: ob die Unterlagen zur Stelle passen und ob das Wichtigste oben steht. Diese Reihenfolge ist unsere Folgerung, nicht das Ergebnis einer der Studien.
Ein offener Tisch ohne Termine. Zu kurze Fenster für Unterlagen, die niemand vorher gesehen hat. Keine Angabe, in welcher Form die Mappe mitzubringen ist. Beratende ohne Erfahrung in der Auswahl. Und eingesammelte Unterlagen, die nach der Veranstaltung in einem Postfach liegen bleiben.
Was ist ein Bewerbungsmappencheck?
Ein kurzes Einzelgespräch, in dem eine fachkundige Person Lebenslauf und Anschreiben durchsieht und Rückmeldung gibt. Career Services bieten ihn vor Ort oder per Video an.
Wie lange dauert ein Bewerbungsmappencheck?
Üblich sind 15 bis 30 Minuten je Person. Kürzere Termine funktionieren, wenn die Unterlagen vorab eingereicht werden.
Wie stark schaden Rechtschreibfehler im Lebenslauf?
In einem Versuch mit 445 Personalverantwortlichen sank die Wahrscheinlichkeit einer Einladung bei vielen Fehlern um 18,5 Prozentpunkte und bei wenigen Fehlern um 7,3 Prozentpunkte.