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Eine Absolventenmesse ist eine Karrieremesse für Menschen kurz vor oder nach dem Studienabschluss. Sie unterscheidet sich von anderen Hochschulmessen durch ihr Ziel: Es geht um den Berufseinstieg und nicht um Praktika oder Orientierung.

Die Karrieremesse ist der Oberbegriff für alle Messen, auf denen Arbeitgeber und Interessierte zusammenkommen. Die Firmenkontaktmesse findet meist an einer Hochschule statt und spricht alle Semester an, vom Praktikum bis zur Abschlussarbeit. Die Absolventenmesse ist enger: Ihr Publikum sucht den ersten festen Arbeitsplatz, und die Aussteller kommen mit Einstiegsstellen.
Für die Planung folgt daraus viel. Die Gespräche sind konkreter, die Erwartungen auf beiden Seiten höher, und ein Stand ohne offene Stellen hat hier nichts verloren.
Wie Absolventen tatsächlich an ihre erste Stelle kommen, hat das Hochschul-Informations-System HIS, heute DZHW, über Jahrzehnte erhoben. Der Bericht Übergänge und Erfahrungen nach dem Hochschulabschluss von Kolja Briedis wertet den Prüfungsjahrgang 2005 aus, erstellt im Auftrag des Bundesbildungsministeriums. Das Ergebnis ist für Messeveranstalter unbequem: Absolventenmessen seien nur in geringem Umfang bei der Stellensuche hilfreich und hätten gegenüber der Befragung vier Jahre zuvor an Bedeutung verloren.
Was stattdessen zur ersten Stelle führte, waren vor allem bestehende Verbindungen. Ein Praktikum oder eine Abschlussarbeit im Betrieb nannten 25 Prozent der Absolventen von Fachhochschulen und 15 Prozent der Absolventen von Universitäten. Ein Job während des Studiums führte bei jeweils 15 Prozent zur ersten Stelle. Die Vermittlung durch die Hochschule selbst nannte nur rund 1 Prozent.
Die Daten sind alt, der Jahrgang hat 2005 abgeschlossen, und sie messen nur, ob die Messe unmittelbar zur Stelle führte. Als eigene Einordnung ziehen wir daraus zwei Schlüsse. Erstens ist eine Absolventenmesse kein Vermittlungsautomat, und wer sie so verkauft, enttäuscht beide Seiten. Zweitens liegt ihr Wert davor: Sie stiftet die Verbindungen, die laut derselben Studie am häufigsten zur Stelle führen, also Praktika, Abschlussarbeiten und Werkstudentenstellen. Das spricht dafür, auch auf einer Absolventenmesse frühere Semester nicht auszuschließen.
Dazu passt ein Befund aus Sicht der Arbeitgeber. Matthias Baum und Rüdiger Kabst zeigten 2011 in der Zeitschrift für Betriebswirtschaft, dass die Teilnahme an einer hochschulinternen Karrieremesse die Arbeitgebermarke mittelständischer Unternehmen stärkt, ihre volle Wirkung aber erst zusammen mit weiteren Maßnahmen entfaltet.
Der Termin richtet sich nach zwei Kalendern, die nicht zusammenpassen müssen. Der eine ist der Studienverlauf: Wer mitten in den Prüfungen steckt, kommt nicht, und wer gerade abgegeben hat, ist am aufmerksamsten. Der andere ist der Einstellungsrhythmus der Arbeitgeber, die für ihre Einstiegsprogramme oft Monate im Voraus suchen. Eine Messe, die erst nach dem Abschluss liegt, kommt für viele dieser Programme zu spät.
Drei Dinge unterscheiden einen guten Stand von einem beliebigen. Konkrete Stellen mit Einstiegstermin statt des allgemeinen Hinweises auf die Karriereseite. Menschen aus den Fachabteilungen neben der Personalabteilung, denn Absolventen fragen nach der Arbeit und nicht nach dem Leitbild. Und eine Antwort auf die Frage, wie es nach dem Gespräch weitergeht.
Wer vorbereitet kommt, führt bessere Gespräche. Dazu gehört, dass Ausstellerliste und Stellen einige Tage vorher einsehbar sind, siehe Job Wall, und dass sich Termine vorab vereinbaren lassen, siehe Gesprächstermin. Viele Veranstalter ergänzen die Messe um Angebote wie die Durchsicht der Bewerbungsunterlagen oder Bewerbungsfotos. Sie sind beliebt und brauchen eine eigene Anmeldung, weil die Plätze begrenzt sind.
Absolventenmessen gibt es in zwei Ausprägungen. Die eine richtet der Career Service einer Hochschule aus, mit Arbeitgebern aus der Region und Besuchern aus den eigenen Studiengängen. Die andere ist eine überregionale Messe eines kommerziellen Veranstalters, oft mit Vorauswahl der Besucher und mit Arbeitgebern, die bundesweit suchen. Die erste lebt von der Nähe, die zweite von der Auswahl.
Zählbar sind geführte Gespräche, vereinbarte Folgetermine und später Einstellungen. Nach dem Befund oben gehören auch vermittelte Praktika und Abschlussarbeiten in die Zählung, denn über sie führt der Weg zur Stelle häufiger als über das Messegespräch selbst. Besucherzahlen allein überzeugen keinen Aussteller, wiederzukommen. Wie sich eine Auswertung aufbauen lässt, steht unter Erfolgskontrolle.
Ein Termin in der Prüfungsphase. Das Versprechen, die Messe vermittle Stellen am selben Tag. Eine Ausstellerliste, die erst am Messetag ausliegt. Und Zusatzangebote ohne Anmeldung, vor denen sich Schlangen bilden, während die Stände leer bleiben.
Was ist eine Absolventenmesse?
Eine Karrieremesse für Menschen kurz vor oder nach dem Studienabschluss, auf der es um den Berufseinstieg geht.
Worin unterscheidet sie sich von einer Firmenkontaktmesse?
Die Firmenkontaktmesse spricht alle Semester an, auch für Praktika und Abschlussarbeiten. Die Absolventenmesse richtet sich auf Einstiegsstellen.
Wann sollte sie stattfinden?
Außerhalb der Prüfungsphasen und früh genug vor dem Abschluss, damit die Einstiegsprogramme der Arbeitgeber noch offen sind.
Was erwarten Absolventen von Ausstellern?
Konkrete Stellen mit Einstiegstermin, Gesprächspartner aus den Fachabteilungen und eine klare Aussage zum nächsten Schritt.