Seminar
Ein Seminar ist eine Lehr- oder Weiterbildungsveranstaltung, in der eine kleine Gruppe unter Anleitung ein Thema erarbeitet. Anders als bei einem Vortrag arbeiten die Teilnehmenden selbst mit. Seminare gibt es an Hochschulen, in der beruflichen Weiterbildung und in Unternehmen, vor Ort oder online.

Was ein Seminar ist
Der Duden beschreibt ein Seminar als Lehrveranstaltung, meist an einer Hochschule, bei der die Teilnehmenden unter wissenschaftlicher Anleitung bestimmte Themen erarbeiten. Entscheidend ist das Wort erarbeiten: Im Seminar hören die Teilnehmenden nicht nur zu, sie arbeiten selbst mit.
Unsere Einordnung: Außerhalb der Hochschule ist Seminar der übliche Begriff für Weiterbildungen und Schulungen mit einer Trainerin oder einem Trainer, einer überschaubaren Gruppe und einem Lernziel. Der Unterschied zum Workshop liegt im Ziel: Im Seminar lernen die Teilnehmenden etwas, im Workshop erarbeiten sie gemeinsam ein Ergebnis. In der Praxis verschwimmen beide Begriffe.
Wie groß Seminare sind
Das Meeting- und EventBarometer 2025/2026 fasst Seminare mit Tagungen und Kongressen zu einer Kategorie zusammen, der häufigsten Veranstaltungsart in deutschen Veranstaltungsstätten. 52,8 Prozent dieser Veranstaltungen hatten 2025 bis zu 50 Teilnehmende, und gegenüber dem Vorjahr wuchs vor allem diese kleinste Größenklasse. Unsere Einordnung: Seminare liegen fast immer in dieser Klasse. Für die Organisation heißt das, dass jeder Platz zählt und eine Teilnehmerbegrenzung mit Warteliste die Regel ist.
Seminar und Umsatzsteuer
Bildungsleistungen können von der Umsatzsteuer befreit sein. Nach Paragraf 4 Nummer 22 Buchstabe a des Umsatzsteuergesetzes sind Vorträge, Kurse und andere Veranstaltungen wissenschaftlicher oder belehrender Art steuerfrei, wenn sie von juristischen Personen des öffentlichen Rechts, Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien, Volkshochschulen oder Einrichtungen durchgeführt werden, die gemeinnützigen Zwecken oder dem Zweck eines Berufsverbands dienen, und wenn die Einnahmen überwiegend zur Deckung der Kosten verwendet werden. Nummer 21 befreit unter anderem Leistungen privater Bildungseinrichtungen, wenn die zuständige Landesbehörde bescheinigt, dass sie Ausbildung, Fortbildung oder berufliche Umschulung erbringen.
Unsere Einordnung: Ein Seminar eines gewerblichen Anbieters ohne diese Bescheinigung ist in der Regel umsatzsteuerpflichtig. Mehr dazu steht in den Einträgen zur Teilnahmegebühr und zur Umsatzsteuer bei Veranstaltungen. Im Einzelfall entscheidet die Steuerberatung.
Online-Seminare und das Fernunterrichtsschutzgesetz
Wer bezahlte Seminare online anbietet, sollte das Fernunterrichtsschutzgesetz kennen. Fernunterricht ist nach Paragraf 1 die entgeltliche Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten auf vertraglicher Grundlage, bei der Lehrende und Lernende ausschließlich oder überwiegend räumlich getrennt sind und der Lehrende den Lernerfolg überwacht. Solche Lehrgänge brauchen nach Paragraf 12 eine Zulassung, sofern sie nicht nur der Freizeit oder Unterhaltung dienen, und ohne Zulassung ist der Vertrag nach Paragraf 7 nichtig.
Der Bundesgerichtshof hat am 12. Juni 2025 (III ZR 109/24) entschieden, dass das Gesetz auch für Online-Coaching und Mentoring gilt und Unternehmer ebenso schützt wie Verbraucher. Laut der Zusammenfassung der IHK Karlsruhe zählen aufgezeichnete, später abrufbare Inhalte als zeitversetzter Unterricht, und für die Überwachung des Lernerfolgs reicht es schon, wenn Teilnehmende nach dem Vertrag Fragen zum Stoff stellen und eine individuelle Rückmeldung bekommen können. Im entschiedenen Fall musste der Anbieter die volle Vergütung zurückzahlen.
Unsere Einordnung: Ein einzelnes Präsenzseminar ist davon nicht berührt. Wer aber bezahlte Online-Kurse mit Aufzeichnungen und Fragerunden verkauft, sollte die Zulassungspflicht prüfen lassen, bevor die Anmeldung öffnet.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Seminar und Workshop?
Im Seminar lernen die Teilnehmenden unter Anleitung etwas, im Workshop erarbeiten sie gemeinsam ein Ergebnis. In beiden Formaten arbeiten die Teilnehmenden mit, anders als bei einem Vortrag.
Ist ein Seminar umsatzsteuerfrei?
Nur unter Voraussetzungen. Paragraf 4 Nummer 21 und 22 des Umsatzsteuergesetzes befreien etwa Seminare öffentlicher, gemeinnütziger oder von der Landesbehörde bescheinigter Bildungseinrichtungen. Seminare gewerblicher Anbieter ohne Bescheinigung sind in der Regel steuerpflichtig.
Brauchen Online-Seminare eine Zulassung?
Bezahlte Online-Kurse können unter das Fernunterrichtsschutzgesetz fallen, wenn Lehrende und Lernende überwiegend räumlich getrennt sind und der Lernerfolg überwacht wird. Dann ist eine Zulassung nötig, sonst ist der Vertrag nichtig. Der BGH hat 2025 entschieden, dass das auch gegenüber Unternehmern gilt.