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KI in der Aussteller-Akquise

KI in der Aussteller-Akquise

Jan-Philipp Koch
·
August 26, 2026
August 26, 2026

KI in der Aussteller-Akquise unterstützt bei der Suche nach passenden Unternehmen, bei der Personalisierung der Ansprache und beim Nachfassen. Sie ersetzt weder die Recherche im Einzelfall noch die Einhaltung der Regeln zur Kaltakquise.

Mitarbeiterin telefoniert im Vertrieb mit einem Headset

Der wirtschaftlich wichtigste Einsatzort

Bei Messen und Karrieremessen trägt der Standumsatz das Geschäft, und die Akquise ist zugleich die Aufgabe, die am meisten Zeit frisst. Genau hier setzt fast keine Eventsoftware an, weil die meisten Systeme von der Teilnehmerseite her gedacht sind. Wer die Ausstellerseite automatisiert, hebt deshalb einen Aufwand, den heute noch Menschen tragen.

Drei Schritte, die sich unterscheiden

Der erste ist die Recherche: aus Vorjahresdaten, Branchenverzeichnissen und Ausstellerlisten vergleichbarer Messen eine Kandidatenliste bilden. Der zweite ist die Ansprache: je Unternehmen ein Argument finden, das zur Veranstaltung passt. Der dritte ist das Nachfassen in sinnvollen Abständen. KI ist im ersten und dritten Schritt am verlässlichsten, weil dort Vollständigkeit und Takt zählen. Im zweiten ist sie eine Hilfe, aber keine Garantie: Ein generiertes Argument klingt oft plausibel und trifft trotzdem daneben, weil dem Modell die Kenntnis des konkreten Unternehmens fehlt.

Was ein Feldexperiment über Kaltakquise sagt

Zur Wirkung von Maschinen im Vertriebsgespräch gibt es belastbare Zahlen. Ein Feldexperiment der Temple University mit über 6.200 Kunden, veröffentlicht in Marketing Science 2019, verglich strukturierte Verkaufsanrufe von Chatbots und Menschen. Der nicht offengelegte Bot war so wirksam wie ein geübter Mitarbeiter und viermal wirksamer als ein unerfahrener. Sobald die Identität vor dem Gespräch offengelegt wurde, brach die Abschlussrate um mehr als 79,7 Prozent ein. Die Untersuchung stammt aus dem Endkundengeschäft und ist nicht eins zu eins auf Standverkauf übertragbar, aber die Richtung ist eindeutig: Der Nachteil liegt nicht in der Leistung der Maschine, sondern in der Erwartung des Gegenübers.

Die Konsequenz für Ihre Praxis

Seit August 2026 ist die Offenlegung in der EU ohnehin vorgeschrieben, wo ein System direkt mit Menschen interagiert; die Einzelheiten stehen unter Kennzeichnungspflicht. Der sinnvolle Zuschnitt ist deshalb ein anderer: KI übernimmt Recherche, Entwurf und Wiedervorlage, der erste persönliche Kontakt bleibt bei einem Menschen. Das entspricht der Rechtslage und nutzt zugleich den Teil der Automatisierung, der keinen Vertrauensverlust kostet.

Was das Wettbewerbsrecht verlangt

Kaltakquise ist kein KI-Thema, wird aber durch Automatisierung leichter und damit riskanter. Werbung per E-Mail an Unternehmen ohne vorherige Einwilligung ist nach Paragraf 7 UWG grundsätzlich unzulässig, Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden nur bei mutmaßlicher Einwilligung. Wer eine Liste automatisiert anschreiben lässt, vervielfacht also nicht nur die Reichweite, sondern auch das Abmahnrisiko. Klären Sie die Rechtsgrundlage, bevor Sie den Versand skalieren, und dokumentieren Sie, woher jede Adresse stammt.

Woran Sie den Erfolg messen

Nicht an der Zahl verschickter Mails, sondern an der Antwortquote je Segment und am Anteil gebuchter Stände. Führen Sie eine Vergleichsgruppe mit, die weiterhin manuell bearbeitet wird, sonst lässt sich der Effekt nicht von der allgemeinen Marktlage trennen. Die Kennzahlen dafür stehen unter Event-KPI, und der Zusammenhang mit dem Standverkauf unter Standbuchung.

Häufige Fragen

Kann KI Ausstellerlisten selbst recherchieren?

Sie kann Kandidaten aus vorhandenen Daten und öffentlichen Quellen zusammenstellen und vorsortieren. Die Prüfung im Einzelfall bleibt nötig, weil generierte Angaben plausibel klingen können, ohne zu stimmen.

Sollte der erste Kontakt automatisiert sein?

Besser nicht. Ein Feldexperiment zeigt einen starken Einbruch der Abschlussrate, sobald die maschinelle Identität vor dem Gespräch offengelegt wird, und offenlegen müssen Sie seit August 2026.

Darf ich Unternehmen ohne Einwilligung anschreiben?

E-Mail-Werbung ohne vorherige Einwilligung ist auch gegenüber Unternehmen grundsätzlich unzulässig. Automatisierung erhöht hier vor allem das Risiko, nicht die Zulässigkeit.

Woran messe ich, ob es wirkt?

An der Antwortquote je Segment und am Anteil gebuchter Stände, verglichen mit einer manuell bearbeiteten Kontrollgruppe.

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